Vielleicht klingt das „alte Eisen“ für viele provokativ. Aber fragen Sie sich doch mal selbst, wenn Sie sich zu der jüngeren Generation zählen: Sind meine Kollegen über 50 nicht schon richtig alt? Woran liegt es, dass sowohl der Begriff „Altersdiskriminierung“ als auch die Tatsache in den letzten Jahren immer öfters auftauchen?

Sprechen Sie mal mit 55-jährigen, die einen Job suchen. Obwohl hoch qualifiziert, werden sie häufig abgelehnt und derjenige, der die Ablehnung schreibt, ist womöglich im gleichen Alter wie der Abgelehnte. Sobald Frauen die 50er-Grenze erreichen, haben sie auf dem Arbeitsmarkt eigentlich keine Chancen mehr. Und das in nahezu allen Branchen: Medizin, Bank-Branche, Ingenieurswesen, Kultur, Medien, Tech-Branche.

Ab wann ist man denn alt?
Es ist erwiesen, dass heutzutage die meisten Menschen bis hoch in die siebziger und achtziger Jahre geistig fit sind. Natürlich gibt es körperliche Einschränkungen, das betrifft aber auch viele Jüngere. Und nicht alle alten Menschen sind gleich. Ganz im Gegenteil – je länger wir leben, desto unterschiedlicher werden wir. Jeder altert auf seine Weise und wie gut oder schlecht jemand im Job ist, hängt nicht in jedem Fall vom Alter ab.

Und deshalb beruht dieses Vorurteil „Altersdiskriminierung“, denn das ist die Altersdiskriminierung, auf Stereotypen. Jeder von uns kennt Menschen, die fit sind, aber auch Menschen, die krank und schwach sind. So ist das Leben.

Wie macht sich Altersdiskriminierung bemerkbar?
Sind das einzelne Äußerungen, oder was steckt dahinter? Wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, stößt man auf eine ganze Menge an Diskriminierungen:

  • Obwohl sie fachlich und persönlich geeignet sind, werden Ältere bei der Beförderung übergangen.
  • Qualifizierte Weiterbildungen im Unternehmen oder in der Organisation werden den Älteren nicht mehr angeboten.
  • Viele Ältere empfinden die Art und Weise, wie sie durch Interaktionspartner behandelt werden, herablassend. Sie werden z. B. auch oft wie Kleinkinder angesprochen.
  • Ältere berichten über finanzielle Nachteile im Umgang mit Banken oder Versicherungen.

Übrigens: Jeder 5. Mensch in Deutschland hat bereits Situationen erlebt, in denen er wegen seines Alters benachteiligt wurde. Was hier besonders auffällt ist, dass viele Ältere das für normal halten. Das mag zum Teil daran liegen, dass Ungleichbehandlungen wegen des Alters allzu oft hingenommen werden.

Hauptsächlich denken wir bei Altersdiskriminierung an die Wirtschaft. Sicher gab und gibt es sie dort auch noch heute. Doch immer mehr Unternehmen stellen fest, dass das Know-how, die Arbeitsweise, die Konzentration, die Loyalität gerade bei älteren Mitarbeitern häufig stark ausgeprägt sind. Übrigens auch die Fähigkeit und die Möglichkeit, sich einer veränderten Technik anzupassen. Es ist heute ein Märchen, dass sich nur die Jungen im IT-Anwender-Bereich auskennen.

Viel Know-how geht verloren, wenn man älteren Mitarbeitern, ein beliebtes Spiel, die Freistellung „näherlegt“, deren Frustration ist groß! Ich will nicht leugnen, dass es auch Fälle gibt, wo das angebracht ist. Übrigens gleich, in welchem Alter!

Dirigenten, die mit 90 noch am Pult stehen oder standen, sind keine Seltenheit – aber auch andere Künstler, wie Maler und Schauspieler sind in höherem Alter noch aktiv und gefragt.

Aktuell hört und liest man viel über Greta Silver, https://greta-silver.de, Autorin, YouTuberin und Best-Ager-Model, die mit 71 Jahren ein großes Vorbild für viele Frauen geworden ist. Auch ich bewundere diese taffe Frau!

Es gibt auch eine Diskriminierung der Jungen
Wenn wir über Altersdiskriminierung sprechen, so müssen wir auch über die Diskriminierung der Jungen sprechen, auch diese gibt es. Als junger Mensch hören Sie dies womöglich öfters, und wenn Sie älter sind und sich zurückerinnern, kommt es Ihnen auch bekannt vor: „Werde erst mal so alt wie wir, dann kannst Du …“ oder: „Deine/Ihre Zeit kommt noch …!“

Zwischenzeitlich gibt es auch Branchen, wie die IT-Branche, wo man mit 35 schon alt ist und Diskriminierung erlebt.

Was dann das besonders Tragische ist, das nehme ich immer wieder in Gesprächen wahr, dass diese Menschen verbittert sind oder es werden.Wäre es nicht ideal, da die Zahl der Älteren immer mehr zunimmt, dass es wieder das voneinander Lernen gibt, nicht nur die Jungen von den Alten, sondern bewusst die Alten von den Jungen?

Da unsere Gesellschaft immer älter wird, ist es wichtig, dass beide Seiten aufeinander zugehen, dass die Jungen den Alten und die Alten den Jungen (ver)trauen. Jeder Alte war mal jung und hat als junger Mensch negative Erfahrungen gemacht, die ihn unter Umständen auch behindert oder die ihm geschadet haben. Wichtig ist, dass der ältere Mensch den Jungen mit dem gleichen Respekt behandelt, wie er gerne früher behandelt worden wäre.

Und für die Jungen: Der „Opa“, der in der Werbung für „Werther´s Echte“ auftritt, ist auch Vergangenheit! Wobei mir der Geschmack der Bonbons, die auch ich früher von meinem Großvater bekam, heute noch auf der Zunge liegt!

Zwischenzeitlich gibt es viele Initiativen, bei denen ältere Menschen junge Menschen unterstützen – ob in der Schule, in der Ausbildung oder auch beim Studium. Das ist löblich und gut – sollte aber nicht auf das Ehrenamt beschränkt sein.

Ich glaube und hoffe, dass wir insgesamt auf einem guten Wege sind, mehr aufeinander zu zugehen, sich besser zu verstehen und in seinem jeweiligen Alter zu akzeptieren. Ziel sollte ein Zusammenspiel der Generationen sein. So profitieren alle, die Menschen und auch unsere Volkswirtschaft.

Die Autorin Sophie Passmann hat unter dem Titel „Ende des Generationen-Gequatsches“ im ZEITmagazin vom 10.6.2020 geschrieben: „Vielleicht sollten wir also weniger über alte und junge Menschen sprechen, sondern generationsübergreifend gemeinsam ein paar Kinderriegel essen. Und mal wieder Heidegger lesen“.

Vielleicht hilft das ja auch, Vorteile abzubauen und so bleibt mir nur, bevor wir die Kinderriegel essen, meinen Wunsch zu äußern: Liebe Ältere, ich wünsche mir, dass Ihr selbstsicherer auftretet, ob bei Banken, Versicherungen, Behörden oder wo auch immer. Es ist Euer Leben, Ihr seid es wert!!!