Die Ferien- oder Urlaubszeit ist in vollem Gange und obwohl in diesem Sommer alles anders ist als in den vergangenen Jahren, kennen doch viele Menschen Stress-Situationen wie diese:
Das Smartphone summt, es hört nicht auf. OK, dann geht er halt ran. Seine Frau ist dran: „Ich schaffe es nicht, kannst Du nicht Hanna vom Sport abholen?“ Schnell zusammenpacken, Markus ist sich bewusst, dass er eine Menge Arbeit liegen lassen muss. Rein ins Auto, rauf auf die Schnellstraße, Blick zur Uhr: 16.45 Uhr – Rushhour! Das Auto bewegt sich im Schritttempo nach vorne. „Schaffe ich es noch, pünktlich meine Tochter abzuholen? Oder ist es wieder wie schon häufiger, dass meine Kleine auf der Straße steht und auf mich wartet?“

Prompt fallen ihm auch noch die unerledigten Dinge ein, die auf seinem Schreibtisch liegen. Der Frust steigt: Arbeit liegen gelassen, Schnellstraße verstopft, Kind muss wohl warten. Während er das denkt, nimmt sein Frust immer mehr zu. Da hilft auch innerliches Fluchen nicht mehr. Das kann ja ein „heiterer“ Feierabend werden …

Was passiert nun in Markus´ Körper?
Ohne dass Markus es sich bewusst ist, setzten seine inneren Gefühlsausbrüche große Mengen an Adrenalin und Kortisol, beides Stresshormone, in seinen Blutkreislauf, frei.

Jetzt sind seine Stressreaktionen voll in Fahrt. Nun beginnt auch sein Herz schneller zu schlagen. Da hört er noch eine ganz leise innere Stimme, die ihm rät, sich zu entspannen. Sein Verstand sagt ihm, dass er den Sportplatz auch nicht schneller erreichen wird, wenn er sich stresst.

Aber: wann hört man auf seine innere Stimme, auf seinen Verstand?
Markus wird immer unruhiger, sein Atem beschleunigt sich und er bekommt auch noch feuchte Hände. „Was ist das wieder für ein besch…Tag, nichts funktioniert!“ Da fällt ihm auch noch ein, was heute in der Firma alles nicht geklappt hat. Und sein Herz rast noch mehr.

Langsam löst sich der Stau auf, Markus gibt Vollgas, aber es gibt so viele „Deppen“ auf der Straße – wie dieser Kleintransporter! Er kann gerade noch das Lenkrad rumreißen. Mal wieder gut gegangen – sein Stresspegel steigt trotzdem!

Was nun?
Markus erreicht mit hängender Zunge den Sportplatz und da kommt auch schon seine Tochter, die strahlt, als sie ihren Vater sieht.

Nun hat Markus glücklicherweise nicht jeden Tag solche oder ähnliche Situationen, aber sie kommen täglich, in unterschiedlichen Ausprägungen und Varianten, -zigfach vor.

Hätte Markus seine Gefühle, seine Emotionen während dieser Fahrt im Griff gehabt, wäre einiges vermieden worden: Er hätte seiner Gesundheit durch den rasanten Anstieg der Stresshormone nicht geschadet, seine Stimmung wäre aufgehellter gewesen, er hätte keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet ….

Nun, die Schnellstraße wäre verstopft geblieben und die Arbeit auf dem Schreibtisch liegengeblieben, aber Markus wäre innerlich friedfertiger und gut gelaunt bei seiner Tochter angekommen und hatte dann entspannt nach Hause fahren können.

Was bedeutet es, im Stress zu sein?
Doc Childre, ein amerikanischer Wissenschaftler, hat bereits vor zwanzig Jahren geschrieben, dass Stress den Körper anregt, dauernd Hormone, wie Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol auszuschütten, und dass dies letztlich so ist, wie ständiger saurer Nieselregen der Umwelt schadet.

Markus ist kein Einzelfall. Über 80 Prozent der Arbeitnehmer fühlen sich während der Arbeit gestresst. Tendenz eher steigend. Aber sie empfinden nicht nur bei der Arbeit Stress – ein weiterer Faktor ist der Freizeitstress. Zu viel Action während der Freizeit! Die Folgen: Bluthochdruck und Herzerkrankungen nehmen stark zu.

Wie stark jemand Stress empfindet, hängt von seiner Wahrnehmung der Ereignisse ab. Menschen, die sehr schnell realisieren, dass bestimmte Situationen nicht zu ändern sind, die Antistress-Techniken anwenden, sich bewegen, laufen, und sich einem Freund oder einer Freundin anvertrauen können, kommen mit stressigen Situationen viel besser zurecht als andere.

Hier eine kleine Ergänzung, wie Sie Stress abbauen und gleichzeitig auch der gefürchteten Demenz vorbeugen können: Tanzen Sie mal wieder!

Ich meine hier nicht den geliebten Stehblues, sondern die klassischen Tänze, bei denen man Schrittfolgen lernen und sich konzentrieren muss, wenigstens am Anfang! Später, wenn die Schritte in Fleisch und Blut übergegangen sind, macht Tanzen Freude und dann können Sie auch in den Flow kommen. Die Koordination gehört wohl mit zu den wichtigsten Stärken, die das regelmäßige Tanzen stetig ausbaut. Linke und rechte Gehirnhälfte fangen an, miteinander zu sprechen und zu arbeiten. Probieren Sie es aus! OK – aktuell sind Tanzveranstaltungen noch nicht möglich und Clubs noch nicht geöffnet. Aber auch in privatem Rahmen sind kleinere „Tanztreffs“ möglich!

Wie halten Sie es mit dem Tanzen? Und mit Ihren Reaktionen bei stressigen Autofahrten?